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Wenn Essen zur Sucht wird
Fälle von Essstörungen haben die letzten zehn Jahre nicht nur in Deutschland enorm zugenommen. Verschiedene Statistiken zeigen, dass mehr als zehn Prozent aller jungen Mädchen bereits erkrankt sind. Die Dunkelziffer ist sicherlich um einiges höher, da nicht alle Formen von Essstörungen so leicht von außen erkennbar sind wie etwa Magersucht. Hinzu kommt, dass es immer mehr männliche Erkrankte gibt. Häufig setzt dieses Krankheitsbild in der Pubertät ein, weil man einem Schönheitsideal entsprechen will. Schlankheitswahn und Frust führen oft zu einem Hin und Her von Diäten und Fressanfällen, jegliches Maß im Umgang mit Nahrung geht verloren.Benjamin U. aus Gladbeck leidet an dem so genannten „Binge Eating Syndrom“. Er hat regelmäßig Heißhunger-Attacken, bei denen er unkontrolliert Unmengen an Nahrungsmitteln zu sich nimmt. Der 18-Jährige war immer etwas dicker, doch erst nach der Scheidung seiner Eltern vor fünf Jahren nahm sein Gewicht gesundheitsbedrohende Dimensionen an. Nun wiegt der Jugendliche 172 kg bei 1,80 m Körpergröße. Um seine Essstörung zu bewältigen, hat er sich vor zwei Monaten in stationäre Behandlung begeben. Dort bleibt er voraussichtlich neun Monate. Eine Kombination aus Ernährungs- und Sporttherapie soll ihm helfen, wieder ein normales Essverhalten zu erlernen.
Veronica S. ist ebenfalls 18 Jahre alt. Sie leidet seit fünf Jahren an Magersucht. Bei einer Größe von 1,60 m wiegt sie 41 kg. Anfangs wollte sie sich nur gesünder ernähren. Allmählich jedoch unterwarf sie sich einem Essplan, der kaum noch essentielle Lebensmittel bot. Bereits fünfmal war Veronica in stationärer Behandlung. Seit einem guten Monat ist sie jetzt bei ANAD, einer Beratungsstelle speziell für Menschen mit Essstörungen, zur Behandlung. Hier wohnt sie in einer WG mit vier anderen Mädchen, die ebenfalls magersüchtig sind. In Gruppen- und Einzeltherapie soll sie lernen, wieder auf die Bedürfnisse ihres Körpers zu achten. Dazu findet ein wöchentliches WG-Kochen statt, für das die Mädchen selbst einkaufen müssen. Regelmäßige Kühlschrankkontrollen durch die Betreuer sind Programm, um zu vermeiden, dass die Mädchen wieder in ihr früheres Essverhalten zurückfallen.
Heinz A. aus Offenbach hat ein ganz anderes Problem: Der 67-jährige Rentner isst täglich das Fünffache von dem, was ein „normaler“ Mensch zu sich nimmt, rund 10.000 Kalorien. Sein Hunger kennt keine Grenzen. Schon zum Frühstück isst er 15 belegte Brötchen. Dabei nimmt er jedoch nicht einmal zu. Trotz ausgiebiger medizinischer Untersuchungen kann diesen Umstand bislang kein Arzt erklären.
Erstausstrahlung: 25. April 2006