Hollywood entdeckt Indien
Amerikanische Journalisten erschufen in den 80er Jahren den Begriff "Bollywood". Dieser gilt aufgrund des kommerziellen Charakters und in Anlehnung an die Filmstudios von Hollywood seitdem als Synonym für Bombays Filmindustrie.
In Deutschland führte das indische Kino bisher ein Schattendasein, doch erlangten die wenigen Filmaufführungen der farbenfrohen, mit zahlreichen Gesangs- und Tanzeinlagen ausgestatteten Bollywood-Filme in den vergangenen Jahren bereits Kultstatus. Ein Kult, der sich selbst in aktuellen Hollywood-Produktionen widerspiegelt und die wachsende Bedeutung Bollywoods zeigt. Sowohl die Komödie "The Guru" ("Der Super-Guru", Daisy von Scherler-Mayer 2002) und Baz Luhrmanns Filme "Romeo + Juliet" ("Romeo & Julia", 1996) sowie "Moulin Rouge" (2001) spielen mit Versatzstücken des populären indischen Kinos.
Umso weniger verwundert es, dass das indische Kino in Nordafrika, in Asien und dem arabischen Raum eine kulturelle Macht verkörpert, die durchaus mit der Hollywoods konkurrieren kann. Seit einigen Jahren erobert der indische Film zunehmend auch westliche Märkte. So gewann der Film "Monsoon Wedding" ("Mira Nair", 2001) den Hauptpreis bei den Filmfestspielen in Venedig; "Lagaan" (2001) von Ashutosh Gowarikar wurde für den Oscar nominiert.
Für dieses Phänomen gibt es diverse Gründe. Eine zunehmende ‚kulturelle Globalisierung’, ein verstärktes Interesse am Exotismus, das Anwachsen der indischen
Diaspora im Ausland, sowie die Verwestlichung Indiens, vor allem seit dessen wirtschaftlicher Öffnung Anfang der 90er Jahre, scheinen maßgeblich an der Popularität
indischer Filme beteiligt zu sein.
Außerdem gelangen Bollywood-Filme inzwischen nicht nur in spezialisierte, sondern partiell auch in ganz ‚normale’ europäische und amerikanische Kinos. Ferner trägt ebenso das relativ neue Medium DVD zur größeren Verbreitung des indischen Films bei.