Heute morgen bin ich zur merkwürdigsten Reise meines Lebens aufgebrochen. Eigentlich hätte ich es mir ja denken können, was da auf mich zukommt. Ich bin trotzdem um 11:00 Uhr in der Früh mit der S-Bahn zum Flughafen gefahren, um mich mit dem neugierigsten Menschen, den ich kenne, nämlich mit „Schau dich schlau!“-Moderator Fero Andersen, und seinem Kameramann zu treffen.
Wenn man ein zweites Mal über den Grund, warum ich dorthin fahre, nachdenkt, dann ist die Idee wirklich so verrückt, dass man sie einfach in die Tat umsetzen muss! Persönlich nachzuprüfen, ob man in knapp 80 Stunden tatsächlich einmal um die ganze Welt reisen kann - aber ausschließlich mit Billigfliegern für unter 1000 €?
Entstanden ist die Idee für eine Sendung zum Thema „Richtig reisen“, in der es ursprünglich darum gehen sollte, die Qualität von südostasiatischen Billigfliegern zu checken, die man nur übers Internet buchen kann.
„Schau dich schlau!“ wäre keine RTL II Sendung, wenn die beteiligten Redakteure für einen Beitrag nicht knallhart recherchieren und sich höchstpersönlich vor Ort überzeugen müssen, was auf Urlauber zukommt, die sich einen supergünstigen Schnäppchenflug im Internet buchen. Und wenn sie schon einmal im Fernen Osten sind, spielt es da noch eine große Rolle, in welcher Richtung sie zurückfliegen?
Also buche ich zunächst einmal genau dieselbe Reise, die Fero Andersen auch gewählt hat. Mit einer großen deutschen Fluggesellschaft, die bekannt ist für ihre preisgünstigen Fernreisen, die großen Strecken von München nach
Bangkok und von Los Angeles zurück nach München zu buchen – das war kein Problem.
Aber weil ich zwei Tage nach Fero gebucht habe, ist mein Flug ein bisschen teurer geworden. Das ärgert mich! Ich hätte nicht gedacht, dass der Buchungszeitpunkt derart entscheidend ist.
Die restlichen Flüge versuche ich, über unser Reisebüro zu buchen. Aber leider scheiterte diesmal selbst der beste Mitarbeiter, den sie auf diese Aufgabe ansetzen konnten – er hat lediglich den Flug von Taipeh über Seoul nach Los Angeles für mich buchen können.
Woran ist er gescheitert? Die kleinen südostasiatischen Airlines sind nur mit Kreditkarte übers Internet buchbar. Und egal, ob man eine Firmenkreditkarte verwendet, oder die eigene, deren Kreditrahmen für diese Reise extra hoch ist. Die Buchung übers Internet ist nicht möglich, weil die Kreditkarte nicht akzeptiert wird – bei beiden Airlines.
"Ein bisschen mulmig"Also muss ich mich selbst darum kümmern: Bei der einen Fluggesellschaft genügt ein Anruf beim Callcenter in den USA. Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute, schließlich habe ich ihnen jetzt alle meine Kreditkartendetails durchgegeben – und erst einmal nichts in der Hand. Doch die Buchungsbestätigung für den Flug zwischen
Singapur und Taipeh wird mir umgehend per E-Mail zugesandt. Aber es konnte mir dort trotzdem niemand erklären, warum ich die Buchung nicht schon über das Internet tätigen konnte.
Jetzt fehlt nur noch ein einziges Ticket, ausgerechnet die kleinste und preisgünstigste Verbindung zwischen Bangkok und Singapur ist es, die den ganzen schönen Plan zunichte machen könnte! Wenn ich das Ticket nicht bekomme, dann machen die anderen, die ich schon fest gebucht habe, überhaupt keinen Sinn mehr.
Also schnell eine ganz lange Nummer eingeben und beim Callcenter der Airline in Indien anrufen, das einzige, das zu meinen Arbeitszeiten schon offen hat. Warteschleife. Nette Begrüßung in Hinglisch. Im weiteren Verlauf des Gesprächs bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich nicht die ganze Zeit mit einer Maschine rede.
Mühselig muss ich ihm meinen Namen, meine Adresse, Passnummer und so fort buchstabieren, er bestätigt – und wenn er zum Beispiel „Hätsch“ sagt, dann meint er den englischen Buchstaben H. Doch wie vorher schon bei der Buchung übers Internet endet das Ganze damit, dass meine Kreditkarte angeblich nicht akzeptiert wird.
Ich rufe meine Kreditkartenfirma an. Alles in Ordnung mit der Karte, nein, niemand hat versucht etwas abzubuchen, da würden sie zumindest eine Fehlermeldung bekommen. Ich bin echt am Verzweifeln. Erst ein Anruf um halb vier Uhr nachts im Callcenter der Fluglinie in Singapur bringt den gewünschten Erfolg – hier wird meine Karte anstandslos und von Anfang an akzeptiert.
Jetzt kann es endlich losgehen! Gleich die erste S-Bahn ist die zum Flughafen, wenn das mal kein gutes Omen ist. Eine alte Dame sitzt im falschen Zug, denn sie will nach Eching. Meine gute Tat für heute habe ich also auch schon vollbracht, denn ich zeige ihr, wo sie umsteigen muss, um doch noch an ihr Ziel zu gelangen.
Die Stadt Landshut stellt sich in der Freifläche zwischen den Terminals des Münchner Flughafens dem internationalen Publikum vor – ob das Freibier ist, was die da in die Maßkrüge schenken? Aber keine Zeit, das zu klären. Von welchem Terminal fliegen wir eigentlich ab? Wo muss ich eigentlich hin auf dem Flughafen, den Oliver Kahn neulich in einem Interview als den schönsten der Welt bezeichnet hat?
Kurzer Schock!Pünktlich um 12:30 begrüße ich Fero und seinen Kameramann und bin bei den Dreharbeiten am Ticketschalter mit dabei. Kurzer Schock, als es um mein eigenes Ticket geht: „Wo ist ihr Visum?“. Man braucht keins für Thailand. „Doch! – das oder einen Rückflug!“. Ich erkläre ihr, warum ich keines habe. „Wie? Am Dienstag sind sie wieder zurück aus Los Angeles?“
Ab jetzt beginnt die Zeitrechnung – jede Minute Verzögerung müssen wir irgendwie wieder aufholen.
14:00 Uhr nach einem kleineren Fußmarsch endlich in Bereich B des Flughafens. Die Kamera wird zerlegt, durch das Objektiv geguckt. Der Laptop muss aus der Tasche, wird einzeln gescannt. Die Frau neben mir darf ihren Quark, den sie brav noch einzeln in Plastikbeutel verpackt hat, nicht mitnehmen.
14:45 am Gate B15: Das Boarding sollte schon um 15:00 Uhr beginnen – jetzt wird gerade durchgesagt, dass es sich auf 15:20 Uhr verschiebt. Holen wir das jemals wieder auf?
Eine Stunde nach dem Abflug gibt der Kapitän die erreichte Flughöhe von mehr als 11500 Metern und weitere wichtige Details zur Reise durch. Wir überfliegen gerade die Ukraine. Und dann die Ergebnisse der Bundesliga: Nürnberg ist abgestiegen (0:2 gegen Schalke). Ein harter Schlag für Fero: Die Werder-Ergebnisse waren nicht dabei.
Mister Bean schneidet im Bordfernsehen Grimassen, während links von uns kurz vor dem Abendessen das Kaspische Meer zu sehen ist. Dann wird serviert, zu essen gibt es Hühnerfrikassee mit Spinat und Reis, Salat, Frischkäse mit buntem Pfefferrand und Cracker, dazu ein Wasser und einen Tomatensaft. Habe schon schlechter gegessen in einem Flugzeug.
Während des gesamten Fluges dreht Fero Beiträge für die Sendung, misst zum Beispiel den Umfang seiner Fesseln, und prüft, ob sich hier Blut staut. Er stellt den Abstand von Rückenlehne zu Rückenlehne fest und erklärt, wie wichtig eigentlich die Beinfreiheit auf Langstreckenflügen wäre.
Ein russisches Pärchen in der Sitzreihe hinter Fero schaut schon ganz säuerlich wegen des ganzen Medienrummels. Trotzdem gibt er der Kamera weiterhin nützliche Tipps, wie man trockene Augen vermeidet und Nasenschleimhäute feucht hält, schließlich ist er ja im Dienste der Wissenschaft unterwegs. Er zeigt außerdem, warum man auf langen Flügen besser Thrombosestrümpfe tragen sollte, auch wenn es das genaue Gegenteil von männlich ist, Strumpfhosen zu tragen. Sieht ja keiner.
Die Beleuchtung wird gedimmtDer Film des Abends: „P.S I Love You“, in dem Hilary Swank von ihrem Mann nach dessen Tod Briefe von ihm erhält und dadurch wieder ins Leben zurückfindet. Ziemlich melodramatisch. Kurz bevor die Nachtruhe ausgerufen und die Beleuchtung gedimmt wird, noch einmal eine Flasche Wasser ausgegeben. Wir überqueren die indische Halbinsel, ziehen über Delhi und Kalkutta hinweg. Ich winke noch schnell dem unbekannten Mitarbeiter des Callcenters zu und widme mich dann wieder dem Bordfernsehen.
Der zweite Film des Abends ist „Der Klang des Herzens“ über einen kleinen Jungen, der sich als Straßenmusiker durchschlägt und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass seine Eltern ihn finden, die aber gar nicht wissen, dass er lebt. Der Film war ja nicht schlecht, aber warum werden hier eigentlich nur Schnulzen gezeigt? Bruce Willis, Clint Eastwood und Jackie Chan machen doch auch ganz nette Filme…
Und schon haben wir kurz nach dem Frühstück 8800 Kilometer zurückgelegt. Als das Flugzeug steht zeigt die Grafik auf dem Bildschirm an, dass wir uns außerdem zwei Meter unter dem Meeresspiegel befinden.
In München ist es jetzt 02:19 Uhr – und wir sind pünktlich in Thailand gelandet. Die schwüle Hitze schon in aller Frühe ist unerträglich. Besonders wenn man jetzt ganz schnell laufen muss, um seinen Anschlussflug nach Singapur nicht zu verpassen.