Eigentlich hätten wir für diese Strecke auch den legendären Orient-Express nehmen können, aber der benötigt für die circa 2000 Kilometer zwischen Bangkok und Singapur 40 Stunden. Soviel Zeit haben wir nicht, und wir sind ja unter anderem angetreten, um südostasiatische Billigflieger zu testen. Nun also der Gong für die erste Runde: Wir haben nichts in der Hand außer einem Blatt Papier aus dem Anhang einer E-Mail, das uns die Buchung des Fluges über das Internet bestätigt. Wo ist der Schalter dieser Fluglinie, werden wir ihn rechtzeitig erreichen und was erwartet uns? Ein klappriger Seelenverkäufer?Ich bin völlig durchgeschwitzt, die Luftfeuchtigkeit ist hoch – der Flughafen von Bangkok, den wir hektisch durchqueren, könnte meiner momentanen Befindlichkeit nach ruhig auf Eiseskälte heruntergekühlt werden. Einige deutsche Reisende lassen uns netterweise bei der Passkontrolle vor, sonst hätten wir überhaupt keine Chance, das Flugzeug zu erreichen. Der Zollbeamte debattiert mit seiner Kollegin und kichert, während er meinen nagelneuen Pass kontrolliert, den ich mir extra für diese Reise ausstellen habe lassen, weil der alte nicht mehr gültig war. Ich habe ganz schön saftige Expressgebühren und mit meinen Fingerabdrücken bezahlen müssen. Und nun bekomme ich den ersten Stempel in meinen bislang noch jungfräulichen Reisepass! Ein denkwürdiger Moment...
Wir sehen natürlich nicht viel von Thailands Hauptstadt. Wie gern hätte ich mir den Chatuchak-Markt angesehen, auf dem am Wochenende über 5000 Händler auf einem Gebiet von 12 Hektar alle möglichen Waren feilbieten. Oder den Tempel der Morgenröte. Ich habe nicht mal richtig Zeit, Photos zu machen. Jetzt noch ganz schnell mit einem Lift rauf in den vierten Stock des Flughafens und quer durch die Halle – und schon ist der Check-In-Schalter der Airline zum Greifen nah. Es gibt sie also wirklich, diese Luftfahrtgesellschaft, und nicht nur virtuell im Netz.
Die A 320 der südostasiatischen Billigfluglinie hat exakt genauso wenig Beinfreiheit wie das Flugzeug, das uns nach Bangkok brachte – und man muss sich die Getränke und Sandwiches selber kaufen. Die Stewardessen haben gelbe Blusen an, auf denen zu lesen steht, welche Kreditkartenfirma sie bevorzugen. Und sie tragen lustige kleine Stoffgürtel im Tigerlook.
Die Maschine wartet noch auf verspätete Fluggäste. Und wir haben uns so abgehetzt! Es müssen deshalb einige Flugzeuge vorgelassen werden und wir starten mit zwanzig Minuten Verspätung. Diesmal ist sich auch der sonst so optimistische Fero sicher, dass wir in Singapur ein kleines Problem haben werden!
Schon auf dem Formular, das man für die Einreise nach Singapur ausfüllen muss, steht fett in rot die Warnung: Death For Drug Traffickers Under Singapore Law. Im Gegensatz zu den Thailändern wollen die Singapurer von mir nicht wissen, wie viel Dollar ich verdiene, sondern unter anderem ob ich in den letzten sechs Tagen in Afrika oder Südamerika gewesen bin, ob ich schon einmal einen Reisepass mit einem anderen Namen benutzt habe, um nach Singapur einzureisen, und ob mir dies schon einmal verboten wurde.
„The weather in Singapur is erm… nice!“ gibt der Flugkapitän durch. Das stimmt und wir werden von saftiggrünen Palmen, dem Duft nach exotischen Blüten und einer Wand aus heißer Luft, die man schneiden könnte, begrüßt. Das sind gefühlte, wenn nicht tatsächliche 40 Grad im Schatten, die uns hier empfangen. Und der Pilot hat trotz der kurzen Strecke die Verspätung fast wieder reingeholt.