Schon auf dem Flughafen wird klar, warum Singapur als der sicherste Staat der Welt gilt. Überall sieht man Uniformierte, die mit martialischen Mienen umher schreiten. Überhaupt scheint man hier im Löwenstaat ein Faible für kleine Tafeln zu haben, auf denen den Bürgern ermunternde Ratschläge für ein gewisses Sozialverhalten nahegelegt werden. Ich fand es ein bisschen merkwürdig, dass ich mehrfach und von verschiedenen Personen in Deutschland davor gewarnt wurde, in Singapur meinen Kaugummi auf die Straße zu spucken, weil das hier verboten sei (kann doch nicht sein!), aber jetzt fügt sich das alles zu einem Gesamtbild zusammen.
Dieses Mal haben wir nicht nur wenig Zeit zum Umsteigen, wir müssen auch noch in ein anderes Terminal. Also wieder nichts mit Stadtbesichtigung und auch kein Shopping. Stattdessen Einreiseformular abgeben, Pass stempeln und Gepäck durchleuchten lassen. Mit dem kostenlosen Bus, der innen mit einer Art buddhistischer Christopherusplakette verziert ist, zum Skytrain. Die vollautomatische Bahn kommt ohne Fahrer aus und bringt uns sicher zu unserem Abflugsterminal.
Jetzt heißt es schon wieder rennen! Natürlich sind wir dadurch entsprechend durstig und plötzlich taucht vor uns – wie eine Fata Morgana – ein Trinkwasserbrunnen auf. Danach ist unser Durst gestillt, aber die Zeit ist uns davon gelaufen. Mist! Der Flug ist gerade geschlossen worden. Mit viel gutem Zureden schaffen wir es, doch noch zur Gepäckkontrolle vorgelassen zu werden.
Und dann auch noch das! Martin, der Kameramann, hat seine Bordkarte verloren. Nach intensiver, aber erfolgloser Suche wird ihm von einem mit einer martialischen Miene einher stehenden, uniformierten Kontrolleur gnädigerweise doch noch eine neue Eintrittskarte ins Flugzeug nach Taiwan ausgestellt. Und irgendwie habe ich die ganze Zeit erwartet, dass gleich eine kleine Tafel hoch gehalten wird, auf der ein Sinnspruch steht wie „Gehe niemals leichtfertig mit wichtigen Passagierdokumenten um“... Oder so.
Nachtleben in TaipehVon Singapur aus ging es weiter nach
Taipeh, wo wir schon von Ching-Feng Kao erwartet wurden, den Fero über eine Art
Urlaubsmitwohnzentrale im Internet kennen gelernt hat, die Fero auch unbedingt testen wollte. Schließlich soll sie ja preiswert sein, die Weltreise. Kao ist begeisterter Bergsteiger und hat in Alaska schon den Mount McKinley bestiegen, der nach dem 25. Präsidenten der USA benannt und mit 6195 Metern der höchste Berg Nordamerikas ist. Außerdem hat er in nur 102 Tagen mit dem Fahrrad die Strecke Los Angeles – New York bezwungen. Genau unser Mann also. Netterweise hat uns Kao mit dem Auto abgeholt und wir wurden direkt zum Hotel gebracht, und Fero hat sowohl sein Domizil für diese Nacht besichtigt als auch Kaos stattliche Sammlung an Sportmedaillen bewundert.
Abends sind wir mit Ching-Feng Kao und einem weiteren Couchsurfer namens Young-Chung Lin in einem traditionellen taiwanesischen Lokal Ente essen gegangen. Und danach haben wir uns ins Nachtleben von Taipeh gestürzt. In der Fußgängerzone herrscht auch spät nachts noch reges Treiben. Ein neuseeländisches Magazin photographiert mitten in der Stadt die schrägsten Typen, die ihnen vor die Linse kommen, weil sie die Szene und das Nachtleben hier in der taiwanesischen Metropole dokumentieren wollen. Natürlich lichten sie auch Fero ab, nachdem ihnen Lin gesteckt hat, warum er hier in der Stadt ist.
Nachdem wir uns noch gemeinsam den bunt geschmückten Präsidenpalast angeschaut haben, verabschieden wir uns von unseren neuen taiwanesischen Freunden. Während die einen früh schlafen gehen, sind andere noch ausgezogen, um eine ordentliche Bierkneipe zu aufzusuchen (Keine gefunden! In Taiwan wird scheinbar wirklich nur Tee getrunken) und noch ein wenig die Garküchen Taipehs zu testen (Kohl mit einer würzigen Fleischsauce, sehr zu empfehlen!). Und dann endlich schlafen auf einer Matratze, im Hotel, ein Traum...!