Die strengen Regeln des Bollywoodfilms
Die explizite Darstellung von Sexualität inklusive Leinwandküssen ist aufgrund der strengen indischen Zensurbehörde in Bollywood-Filmen nicht üblich.Kulturelle Gepflogenheiten und die strenge indische Zensurbehörde verboten bis Ende der Neunzigerjahre Leinwandküsse auf den Mund, und explizite Darstellungen von Nacktheit und Sexualität sind im indischen Film immer noch verpönt. Aus diesem Grunde werden Tanzsequenzen häufig dazu genutzt, um leidenschaftliche Momente zu verbildlichen. Mit relativ eindeutigen, suggestiven Bewegungen und Gesten im Tanz, wird Liebe und Erotik Ausdruck verliehen. In einigen Filmen bieten Wasserfälle, Büsche, Gartenzäune und plötzlich ins Bild wachsende Rosen den indischen Leinwand-Liebespaaren einen raffinierten Sichtschutz.
Ein sehr häufiges Szenario, das mittlerweile zum Klischee geworden ist, sind Gesangs- und Tanzszenen im Regen. Regen war seit jeher von erotischer und sinnlicher Bedeutung in indischer Mythologie und Literatur. Assoziiert wird dieser häufig mit Wiedergeburt und Fruchtbarkeit. Dieses Element machen sich viele Regisseure zu nutze. Dabei stellen Sequenzen mit nassen, meist weißen Saris, die eng am Körper liegen, die erotischsten Momente des Hindi-Films dar.
Sie sind Teil des elaborierten Systems der Illusionen und werden unter indischen Filmzuschauern mit dem Terminus des ‚Wet Sari Dance’ bezeichnet. Männer tragen
stattdessen hautenge Lederhosen oder Netzhemden.
Man kann sagen, dass die im indischen Film offiziell sonst nicht gestatteten Darstellungen von Erotik und Sexualität über die Gesangs- und Tanzsequenzen einen Weg in das
Medium Film gefunden haben.