Album "Personal Jesus", VÖ am 16. Juli 2010, KOCH Universal Music.
"Personal Jesus“ ist Musik "zur Ehre Gottes allein". Es geht um die einzig wahre Magie der Worte und der Klänge, die nach altem Bachschem Prinzip für Gott allein gesungen werden. Darum ist es beim Gesang von Gospelmusik schon immer gegangen. Nina Hagen hat das verstanden. So singt sie unprätentiös und gradlinig. Sie singt frisch und frei wie beim fröhlichen von Cajunsounds infizierten "God’s Radar" gut zu hören ist. Sie sucht bei bluesigen Traditionals wie "Nobodys Fault But Mine" nach der göttlichen Essenz der Songs. Aber Nina Hagen ist bekanntlich eine der besten Rockröhren Deutschlands und so ist es kein Wunder, dass gerade die blues-rockige Coverversion des Depeche Mode-Hits "Personal Jesus" zur ersten Singleauskopplung auserkoren wurde. Nina Hagens rauchige Stimme verleiht dem Song die ganz spezielle Hagennote. Man spürt schon nach den ersten Takten, dass Nina Hagen diesen Song lebt und liebt. Ihre Interpretation von "Personal Jesus" erweist dem Original in jeder Beziehung Ehre.
Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist die Hagensche Version des bekannten Gospels "Mean Old World". Kratzende Gitarren und ein schleppendes Schlagzeug prägen den Sound der Nummer, zusammen mit der Stimme Nina Hagens wird die bekannte Gospelnummer zu neuen geerdeten musikalischen Ufern geführt. Dass Nina Hagen ehrlichen Blues liebt, beweist sie mit "Sometimes I Rung Up Heaven". Mehr Seele kann ein Song wohl kaum haben. Und letztlich feuert sie mit dem politisch motivierten Arlo Guthrie Klassiker "All You Fascists Bound To Loose" ihre persönlichen Überzeugungen gegen Faschisten jeder Prägung ab. Das alles wirkt in einer turbulenten Zeit mit vielen Veränderungen angenehm anachronistisch und macht das Album zeitlos.
"Personal Jesus" ist ein in jeder Pore ehrliches Album ohne große Kosmetik. Es überzeugt mit inhaltlicher Tiefe und klanglichen Bravourstücken. Wobei an dieser Stelle auch der Produzent Paul Rössler und der Mischer Peter Schmidt (Ich & Ich, Rosenstolz u.a.) erwähnt werden sollten, die letztendlich für den durch Naturinstrumente geprägten, geradlinigen und runden Gesamtsound des Albums zuständig waren. Nina Hagen wurde 1955 in Ostberlin geboren. Nach der mit Auszeichnung abgeschlossenen Gesangsausbildung hat sie erste Erfolge in der DDR ("Du hast den Farbfilm vergessen"). 1976 folgt sie ihrem Ziehvater Wolf Biermann in den Westen, wo sie die Nina Hagen Band gründet und Dank ihrer einmaligen Stimme und ihrer umwerfenden Bühnenpräsenz große Erfolge feiert.
Zwischen Punklady und Provokateurin oszillierend, etabliert sie sich als schrillster Pop-Star der Republik – und als einzige deutsche Rocksängerin von Weltruf. Neben ihrer Musik tritt sie immer wieder als exzellente Schauspielerin in Erscheinung, zum Beispiel als böse Königin in "7 Zwerge – Männer allein im Wald".