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Tanz in Auschwitz

Tanz in Auschwitz


Ein selbst gedrehtes Internet-Video sorgt weltweit für Entsetzten: Darin tanzt ein Überlebender des Holocaust mit seiner Familie im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, wo 1 Million Menschen ermordet wurden. Und das ausgerechnet zu dem Song "I will survive". Provokant oder einfach nur geschmacklos? Darüber wird jetzt heftig diskutiert. 
 

Er hat die schlimmste Zeit seines Lebens im Konzentrationslager überlebt. Und deshalb tanzt Adolik Kohn - zusammen mit seiner Tochter und den Enkeln vor dem Eingangstor zum KZ Auschwitz. Bis zu 1,5 Millionen Menschen mussten hier zwischen 1940 und 1945 sterben. Ein Überlebender, der sich in seinem Tanz-Video anscheinend darüber lustig macht - das geht für viele entschieden zu weit.
 
Prof. Wolfgang Wippermann: "Das ist geschmacklos! Mir tut vorallem der alte Herr leid, der hier zum Tanzbären gemacht wird - nachdem was er hier erlebt hat. Das ist wirklich furchtbar, das sollte man nicht tun."
 
Adolik Kohn und seine Familie tanzen trotzdem. Neben Auschwitz auch in anderen ehemaligen Konzentrationslagern, vor Synagogen und im früheren Ghetto im polnischen Lodz. Kohn lässt sich sogar in einem alten Abtransportwagen filmen, in dem Juden während der Nazi-Zeit ins Lager gebracht wurden. Für den 89-Jährigen alles andere als ein schlechter Scherz. Adolik Kohn: "Das ist für mich ein historischer Moment, denn wie viele Menschen würden hier mit ihren Enkelkindern hinkommen?"
 
Gedreht hat das Video Adolik Kohns Tochter Jane Korman. "Kunst solle provozieren" ist ihre Meinung, solle aber vorallem Lebensfreude und Freiheit darstellen. Michel Friedmann: "Ich kann nachvollziehen, dass viele Menschen darüber nachdenklich und empört sind, aber hier tanzt ein Überlebender mit seinen Kindern und Enkelkindern. Ich finde, man kann es machen!"
 
Mittlerweile hat das Video bei youtube über 470.000 Klicks. Man kann es provokant oder auch geschmacklos finden. Aber eines zeigen Adolik Kohn und seine Familie mit ihrer Interpretation des Holocausts auf jeden Fall: Einen komplett neuen und anderen Umgang mit der Vergangenheit.

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